Stricken für die Straße

Wolle mit Stricknadeln und Brille auf Straße

Die bunten Wollknäule liegen schon länger bei Kirstin Graf im alten Weidenkorb bereit. Seit über zwei Jahren engagiert sich die Hamburgerin bei den Wooligans e.V. Inzwischen leitet sie ehrenamtlich den Treffpunkt dieser Gruppe im Hamburger Stadtteil Bergedorf. Hier werden aus gespendeter Wolle im wahrsten Sinne des Wortes Seelenwärmer gestrickt. Es entstehen Mützen, Socken und endlose Meter an schönen Schals für obdachlose Menschen in Hamburg und Umgebung.

„Hier habe ich meinen Platz in der Gesellschaft gefunden,“ sagt Kirstin Graf. Sie selbst ist durch eine Krankheit arbeitslos geworden und muss von Harz IV leben. Aber sie klagt nicht über ihre Situation, sondern möchte anderen Menschen helfen, denen es noch schlechter geht, als ihr selbst.

Ende Mai fasste sie sich ein Herz und meldete sich bei „Mehrblick – Brillen für Obdachlose und Bedürftige“. Sie erzählte, dass sie seit einigen Monaten nicht mehr stricken könne, weil ihre Augen so schlecht geworden seien. Ein Besuch beim Augenarzt habe gezeigt, dass ihre alte Brille für ihre Sehschwäche nicht mehr ausreiche. Eine Gleitsichtbrille wäre hilfreich. Diese kann sie sich finanziell aber nicht leisten.

Dank Mehrblick-Brille wieder neue Schals für Obdachlose

Christiane Faude-Großmann, Projektleitung von „Mehrblick“ hatte eine Idee, wie die rührige Dame trotzdem ihrem großartigen Ehrenamt weiter nachgehen kann: Im Hamburger Brillenlager fanden sich zwei passende Brillen; eine zur Fernsicht und eine Lesebrille für die Nähe. Zur Freude von Frau Graf gab es noch ein hübsches Brillenetui, ein praktisches Brillenband für die Lesebrille und ein Brillenputztuch dazu.

Jetzt können die Stricknadeln wieder klappern – denn warme Wollmützen für den nächsten Winter werden garantiert auf Hamburgs Straßen gebraucht.